Bericht vom Liberalen Club Stuttgart

Bericht vom Liberalen Club Stuttgart

Liebe Liberale,

der Februar-Club war gleichzeitig unser zweiter Geburtstag des Liberalen Clubs Stuttgart.
Passend zum Jubiläum sind wir sehr stolz zwei so herausragende Referenten gewonnen zu haben. Das Thema spiegelte den Gründungsgedanken unseres Clubs wieder, indem er unterschiedliche Strömungen in intellektuellem Wettstreit nach der besten Lösung suchen lies.

Wie können Gesellschaft und Wirtschaft zum größtmöglichen Wohl aller organisiert werden? Das war die Frage, die Hayek 1960 mit seiner Verfassung der Freiheit zu klären suchte. Das abschreckende Beispiel des Sowjetkommunismus
ließ die westlichen Intellektuellen weitgehend vom Marxismus abrücken. Stattdessen schrieben sie sich aber das Erreichen „sozialer Gerechtigkeit“ durch eine staatlich gelenkte Umverteilung der Einkommen auf ihre Fahnen. Der Wohlfahrtsstaat wurde in vielen Ländern ausgeweitet. Diesem Trend trat Hayek entschieden entgegen: Nur unter den Rahmenbedingungen einer freien Gesellschaft entstünden permanenter Fortschritt und eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Zivilisation zum Wohle aller. Hayeks Thesen stießen auch im marktwirtschaftlich orientierten Westen zuerst auf wenig Gegenliebe. So wurde selbst von Liberalen argumentiert, dass die Theorie der Freiheit letztlich nur in einer Welt gelte, in der die Ausgangsbedingungen für alle Menschen gleich seien. In der Realität aber gebe es historisch gewachsene Ungleichheiten und ökonomische Machtverhältnisse, die durch eine aktive ausgleichende Politik überwunden werden müssten. Indem Hayek vorgefundene Regeln als sinnvolles Ergebnis einer natürlichen Evolution denke, übersehe er, dass auch diese ein Resultat sozialen Handelns und damit von Machtprozessen seien. Ironischerweise musste sich Hayek den Nobelpreis für Wirtschaft mit dem Schweden Gunnar Myrdal teilen, einem überzeugten Keynesianer.

Die von Hayek aufgeworfene Frage, wie viel Freiheit zum Wohle aller angebracht ist, ist bis heute ein Streitpunkt in den Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften.

Zu den Referenten:
Christopher Gohl – The European Juli 16
Peter Sloterdijk hatte den Liberalen 2011 empfohlen: „Wir verteidigen die Sache der Freiheit, indem wir daran arbeiten, das Wort Liberalismus, das leider zur Stunde eher für ein Leben auf der Galeere der Habsucht steht, wieder zu einem Synonym für Generosität zu machen – und das Wort Liberalität zu einer Chiffre für die Sympathie mit allem, was Menschen von Despotien jeder Art emanzipiert.“
Die beste Emanzipation von schrankenloser Gewalt- und Willkürherrschaft ist, so lerne ich von Dierksmeier, nicht einfach nur die Herrschaft der Freiheit. Sondern die so sanfte wie konsequente Herrschaft jener allgemeinen Idee der Freiheit, die sich stets selbst begrenzt und korrigiert. Es ist die Leitidee, mit der wir den Widerstreit der Freiheiten pflegen und kultivieren können – die Idee wertgebundener Freiheit in Fairness und Verantwortung. Diese qualitative Freiheit ist uns nicht geschenkt, sondern uns allen aufgegeben – als kluge und konsequente, kreative und kraftvolle Strategie, die eigene Lebenswelt und am Ende auch die ganze Welt ein Stückchen besser, menschlicher und freiheitlicher zu machen


Vortrag von Carlos A. Gebauer am 12. Februar 2016 vor Wirtschaftsvertretern in Niederösterreich:
Warum können wir uns vorstellen, daß Woody Allen in einer New Yorker U-Bahn von Rockern verprügelt wird? Und warum ist John Wayne genau das nie passiert?
Selbstbewußtsein und Selbstbehauptung eines Menschen stehen miteinander in einer engen Verbindung. Nur wer an sich selber glaubt, hat überhaupt erst eine Aussicht auf die Möglichkeit, daß auch andere an ihn glauben. Dieser spezifische Zusammenhang besteht nicht nur bei einzelnen Personen, sondern auch bei Gruppen von Menschen. Gegen den FC Bayern oder den CF Barcelona können allenfalls solche Fußballmannschaften gewinnen, die ohne Angststarre in das Spiel gehen. Nur wer selbst daran glaubt, besser sein zu können als der andere, der kann auch gewinnen – notfalls in der Verlängerung. Entscheidend ist, welches Bild die Betreffenden von sich selber haben. Denn genau dieses Bild lebt man und zeigt man der Welt.


Alles in allem ein sehr gelungener Abend der erst weit nach 2h in der früh endete. Bei leckeren schwäbischen Butterbrezeln, Kabanos und italienischem Wein.
Herzlichen Dank nochmals an die Referenten und die treuen Clubmitglieder!
Ihr Thilo Scholpp.

About The Author

Related posts